Wappen des Kreises Elchniederung

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Die Kirche im Kreisort Heinrichswalde
Kirchspiel Heinrichswalde

Das Kirchspiel Heinrichswalde (gegr. 1686)  (russ. Slawsk  đíđ╗đ░đ▓Đüđ║, litauisch Gastos )          Kirchspielvertreter: Fritz Klingsporn

Einen Stadtplan mit ~ 300 Namen finden Sie auf der Seite “Stadtplan Heinrichswalde 1944”

Gemeindeamt HeinrichswaldeDie Orte des sp├Ąteren Kirchspiels Heinrichswalde geh├Ârten zun├Ąchst zu Kaukehmen. 1686 wurde Heinrichswalde ein eigenes Kirchspiel unter dem adligen Patronat des Wilhelm Reinhard von Halle (ÔÇá1687), dem Besitzer der Heinrichswaldschen G├╝ter. Der zweite Lehnspatron war George Friedrich von Kalnein, zweiter Ehemann der verwitweten Rosina von Halle, geb. von und zu Egloffstein. Dritter Lehnspatron war George Wilhelm von Halle, Sohn des ersten Lehnsherrn. Nach seinem Tod wurde 4. Lehnspatron Carl Ludwig Erbtruchses und Graf zu Waldburg.
Das erste Kirchengeb├Ąude war aus Holz (Bretterverschlag). Am 20.Sonntag nach Trinitatis 1686, dem 27.10.1686, wurde die Kirche durch den Oberhofprediger Bernhard von Sanden eingeweiht. Bereits am 7.9.1691 wurde der Grundstein f├╝r einen Neubau durch Rosina von Halle gelegt. Nach ihrem Tode wurde der Fachwerk-Neubau 1694 von ihrem zweiten Ehemann George Friedrich von Kalnein vollendet. Seit Dezember 1738 stand die Kirche unter k├Âniglichem Patronat (lt.Arnoldt). Harnoch nennt die Jahreszahl 1783 als Zeitpunkt des Verkaufs der Heinrichswaldschen G├╝ter und der ├änderung des Patronats. Das Jahr 1783 ist falsch. 1792 wurde der bauf├Ąllige Turm abgebrochen. 1861 Schlie├čung der Kirche. 1866 Abbruch des alten Gotteshauses. Neubau im gotischen Stil 1867-1869. Einweihung des Neubaus am 15. Oktober 1869. Baukosten von 39.000 Reichstalern. Die neue Kirche hatte einen sch├Ânen hohen Turm erhalten. 1901 wurde der Turm vom Blitz getroffen und besch├Ądigt. Altar und Taufstein waren aus rotem Sandstein. Aus der vorigen Kirche waren Reste alten Schnitzwerks erhalten. Die Kirche hatte 3 Glocken, aus den Jahren 1686, 1717 und 1828. Die Glocken sagten in ihrer Sprache ÔÇ×Pilzke ungesolte" "Pilzke ungesolte". Denn die Umgebung war reich an Wald, Beeren und Pilzen.
Die Kirchengemeinde Heinrichswalde war fr├╝her sehr viel gr├Â├čer. Sie umfasste z.B. auch Orte der sp├Ąteren Kirchengemeinden Szillen und Neu Argeningken bzw. Tilsit-Land. 1845 wurden 20 Orte des Kirchspiels Heinrichswalde abgewidmet und kamen zur neugegr├╝ndeten Kirchengemeinde Jurgaitschen (K├Ânigskirch). Und 1854 gingen 10 Orte der Kirchengemeinde Heinrichswalde zur neuen Kirchengemeinde Gr. Friedrichsdorf. Die Eintragungen aller dieser Gemeinden findet man also in den ├Ąlteren Heinrichswalder Kirchenb├╝chern!

Im Jahre 1890 z├Ąhlte das Kirchspiel Heinrichswalde 7.500 Seelen (davon 1.050 Litauer). Gottesdienst deutsch und litauisch. 280 Taufen, 60 Trauungen, 220 Begr├Ąbnisse ÔÇ×Wohnung sch├Ân"(laut Harnoch). Der letzte Gottesdienst vor der Vertreibung fand an einem Sonntag im Oktober 1944 statt. Der letzte Pfarrer von Heinrichswalde war Johannes Bruno ELLINGER. Er fiel am 31.12.1941 in Russland.
Heinrichswalde war der Hauptort des Kreises Niederung, der keine einzige Stadt besa├č. Der Flecken hatte aber durchaus kleinst├Ądtischen Charakter. Das gr├╝ne Heinrichswalde durfte sich Gartenstadt nennen. Die EPost Heinrichswalderhebung in den Status einer Stadt war 1939 eingeleitet worden. Das 1891 erbaute Kreiskrankenhaus und die Apotheke sicherten die gesundheitliche Versorgung. Heinrichswalde war Sitz des Landratsamts, des Finanzamts, des Katasteramts und der Kreis-und Forstkasse. Es besa├č ein Amtsgericht. Die Kreisnachrichten f├╝r den Kreis Niederung wurden in Heinrichswalde gedruckt.Vor allem in der Friedrichstra├če luden zahlreiche Gesch├Ąfte, Hotels, Gastwirtschaften sowie der Wochenmarkt auf dem Buttermarkt sowie der Schweinemarkt die Bev├Âlkerung des Ortes und der weiteren Umgebung ein. Eine gro├če Zahl an Handwerksbetrieben bot ihre Dienste an, und viele Vereine belebten das gesellschaftliche Leben der Stadt. Eine salz-und schwefelhaltige Quelle und die dazu gebaute Badeanstalt steigerten den Freizeitwert.
Im Kirchspiel gab es die G├╝ter Adlig Heinrichswalde, Adlig Lehmbruch, Wilkehlen, einige gr├Â├čere Bauernh├Âfe und viele kleinere H├Âfe, die den landwirtschaftlichen Charakter der Umgebung pr├Ągten.
Auch die Holzverarbeitung war durch die nahe liegende Schneckensche Forst von Bedeutung. Die S├Ągewerke Wolff und Sachse sowie die Maschinenfabrik Klein waren gr├Â├čere Betriebe in Heinrichswalde. Die Milchverarbeitung wurde in der Molkerei Stadie betrieben.Die gute Stra├čenverbindung und seit 1891 der Anschluss an die Eisenbahnlinie Tilsit - K├Ânigsberg f├Ârderten die wirtschaftliche Entwicklung von Heinrichswalde stark. ├ťber den Nachbarort Brittanien war auch die Kleinbahnanbindung nach Neukirch, Kuckerneese, Seckenburg, Karkeln und Schakendorf gegeben.In fast allen Gemeinden des Kirchspiels gab es Volksschulen. Viele Jahre lang bereiteten die Privatschule und sp├Ątere H├Âhere Knaben- und M├Ądchenschule in Heinrichswalde die begabten Sch├╝ler des Kirchspielorts und der umliegenden D├Ârfer auf weiterf├╝hrende Schulen vor. Sie wurde dann zur Mittelschule. Im Winter waren Sch├╝ler der umliegenden D├Ârfer bei Heinrichswalder Familien als Pensionsg├Ąste einquartiert. Die Gymnasiasten des Kirchspiels und des gesamten Kreises mussten t├Ąglich nach Tilsit fahren oder gingen dort in Pension.
Das Land um Heinrichswalde war, wie schon der Name des Kreises sagt, eine Niederung, also tief gelegen. Die Entw├Ąsserung erfolgte in den Linkuhner Kanal. Das Wasser wurde dann durch das Hebewerk Schnecken in die Schnecke bef├Ârdert. Wasserbaulich geh├Ârte dieses Gebiet dem Linkuhnen-Seckenburger Entw├Ąsserungsverband an. Im Oktober 1944 mussten die Einwohner ihre H├Ąuser verlassen. Am 20. Januar 1945 wurde Heinrichswalde von der Roten Armee eingenommen. Am 7. Januar 1946 erhielt Heinrichswalde den russischen Namen Slawsk (đíđ╗đ░đ▓Đüđ║ - sinngem├Ą├č “Ruhmreiche Stadt”). Slawsk ist heute, noch deutlicher als fr├╝her, der zentrale Ort des gesamten einstigen Kreises Elchniederung.

Aus ÔÇ×Der Kreis Elchniederung gestern und heute“, herausgegeben von der ÔÇ×Kreisgemeinschaft Elchniederung e.V.“, bearbeitet von Gabriele Bastemeyer und Hans-Dieter Sudau ÔÇá

Orte des Kirchspiels Heinrichswalde

Ortsname ab 1938

Ortsname bis 1938

Einwohner
 1939

Adlig Linkuhnen mit Bahnhof Linkuhnen

Adlig Linkuhnen

379

Amtal

Baltruscheiten H.

136

Anmut mit Alt-Anmut, An der Kurwe

Klubinn

47

Argendorf

Argelothen

220

B├╝rgerhuben

B├╝rgerhuben, Brunischken, Dammkrug, Gut Nassenthal, Wenzischken

121

Deschen mit Deschener Moor, F├Ârsterei Reussenhof,Wilkehler Moor

Neu Descherin

310

Gr├╝nbaum

Gr├╝nbaum

133

Heinrichswalde mit Kleinheinrichswalde

Heinrichswalde, Gut Adlig Heinrichswalde, Gut Wilkehlen

3460

Hohensprindt

Augustlauken und Hohensprindt

282

Klemenswalde mit Klaarhof, Hebewerk Schnecken, Schneckenhof

Clemenswalde

337

K├Âllmisch Linkuhnen,

K├Âllmisch Linkuhnen

71

Lehmbruch

Gut Lehmbruch und Griegolienen

50

Lindental

Sandfluss

372

Neulinkuhnen

Palinkuhnen

89

Neusorge H. mit Oberf├Ârsterei u. F├Ârsterei Schnecken

Neusorge H.

125

Neusorge Arbeitsdienst

206

Streulage

Dittballen

80

Thomaten

Thomaten

361

Urbansprind

Noragehlen

297

Gesamt 19

7.076

Museum Heinrichswalde/Slawsk

In Heinrichswalde/Slawsk gibt es seit kurzem ein deutsch-russisches Museum. Es befindet sich in der Hauptstra├če (Friedrichstra├če) neben der jetzigen Bank. Am 24. August 2009 wurde in diesem Museum eine Wand und eine Vitrine von Manfred Romeike und Hartmut Dawideit sowie deren mitreisenden Ehefrauen mit deu Von links:Waleslav Kent, Manfred Romeike, Hartmut Dawideit u.Herr Hoffmanntschen Fundsachen, B├╝chern, Foto-Alben mit neuen und alten Bildern sowie Heimatbriefen best├╝ckt. Unter der Fahne des Kreises Elchniederung wurden verschiedene Bilder aufgeh├Ąngt. Ein Schild mit den ├ľffnungszeiten soll noch angebracht werden. Wir danken all denen, die geeignete Exponate f├╝r das Museum zur Verf├╝gung gestellt haben. Ebenso auch f├╝r die Bilder, die die Familie Frischmuth beigesteuert hat. Wir w├╝rden uns freuen, wenn k├╝nftig fr├╝here Einwohner des Kreises und die jetzigen Bewohner diesen zus├Ątzlichen Anziehungspunkt in Heinrichswalde besuchen w├╝rden.
Das Foto zeigt den neuen Teil des Museums, den die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Kreisgemeinschaft Elchniederung hergerichtet haben. Von links: Waleslav Kent (Kulturbeauftragter des Kreises Slawsk / Heinrichswalde), Manfred Romeike (Kreisvertreter der Kreisgemeinschaft Elchniederung e.V.), Hartmut Dawideit (Gesch├Ąftsf├╝hrer der Kreisgemeinschaft) und Herr Hoffmann (Ru├članddeutscher, Dolmetscher).

Wer kann helfen?
Wer hat noch altes Geld aus der Vorkriegs- oder Kriegszeit, welches er dem neu eingerichteten Museum in Heinrichswalde / Slawsk als Anschauungsmaterial zur Verf├╝gung stellen m├Âchte? Ebenfalls gesucht werden Fotos mit Personen in Arbeits- und Sonntagskleidung. Angebote bitte an unsere Gesch├Ąftsstelle der Kreisgemeinschaft!

Heinrichswalde - Das Kirchspiel, aus der Sicht eines 1945 15-├Ąhrigen

Wollte man nach Heinrichswalde, egal aus welcher Himmelsrichtung, gr├╝├čte – und das ist heute noch so-, der Kirchturm und das brachte zum Ausdruck, dass dieser Flecken Erde etwas ganz Besonderes war. Das Gel├Ąut der Glocken, in dem Rhythmus: ÔÇ×Pilzke, ungesolte“ zog nicht nur die Ortseinwohner, sondern auch die Christen aus dem gesamten Kirchspiel zum sonnt├Ąglichen Gottesdienst. Der Kreisort, die Erhebung zur Stadt war durch den Kriegsbeginn 1939 verhindert worden, war Sitz der Kreisverwaltung, des Amtsgerichts, des Finanzamtes, des Katasteramtes und des Kreiskrankenhauses. Das bedeutete, dass viele Beamten dort ihren Wohnsitz hatten und das Miteinander regte an, das Wohnumfeld freundlich zu gestalten, z.B. durch Anlegen von blumengeschm├╝ckten Vorg├Ąrten und vielen Obstg├Ąrten. Der Zustand der Stra├čen war gekennzeichnet durch Pflasterung mit groben Steinen. Die Hauptstra├če, Friedrichstra├če, die Gr├╝nbaumer Allee ab Kaufmann Gropp, die Fliederstra├če, Waldstra├če, Feldstra├če, Deutsche Stra├če, Rosenstra├če, Gerberstra├če, Lindenstra├če, Gerichtsstra├če, Heeresstra├če, Mittelstra├če, Wilhelmstra├če, Schulstra├če, alle waren gepflastert und forderten beim Marschieren viel Kraft.
Der Anschluss an die Bahnlinie Tilsit – K├Ânigsberg brachte dem Ort wirtschaftlichen Aufschwung. Das von den Bauern und G├╝tern des Kirchspiels zum Verkauf aufgezogene Vieh wurde hier verladen, dazu auch Holz, das in den W├Ąldern des Schneckener Forstes gewachsen war. Die S├Ągewerke Wolff und Sachs waren als Arbeitgeber gefragt. In der Maschinenfabrik von Ludwig Klein wurden M├Ąhmaschinen gefertigt und zum Versand gebracht und in der Molkerei Z├╝rcher wurde Milch zu Tilsiter K├Ąse verarbeitet, der in die verschiedensten L├Ąnder verkauft und geliefert wurde.
Die Versorgung der Bev├Âlkerung war durch vielerlei Gesch├Ąfte und Handwerksbetriebe gesichert und zus├Ątzlich fanden mittwochs und samstags M├Ąrkte statt, die auch von Fischern der Haffd├Ârfer best├╝ckt wurden. Problematisch war die Wasserversorgung. Eine offizielle Wasserleitung war nicht vorhanden, da das Wasser stark eisenhaltig war und sich f├╝r Haushaltszwecke nicht eignete. Die sanit├Ąren Verh├Ąltnisse lie├čen auch zu w├╝nschen ├╝brig. 
Die schulischen Verh├Ąltnisse waren nicht g├╝nstig. Zwar waren Volksschulen, Mittelschule und Berufsschule vorhanden, aber die r├Ąumliche Ausstattung war, zumindest in Heinrichswalde,  sehr schlecht. Es wurden Verhandlungen zum Neubau gef├╝hrt, aber durch den Kriegsbeginn aufgegeben. Um weiterf├╝hrende Schulen zu besuchen, mussten die Sch├╝ler die Gymnasien in Tilsit in Anspruch nehmen, entweder untergebracht in Pensionen oder als Fahrsch├╝ler. In den meisten D├Ârfern des Kirchspiels waren ein- oder mehrklassige Volksschulen vorhanden und viele Sch├╝ler besuchten die Mittelschule in Heinrichswalde  und waren bei Verwandten oder Bekannten untergebracht.
F├╝r die Freizeitgestaltung stand an erster Stelle das ÔÇ× Salz- und schwefelhaltige Sonnen- und Liegebad“ an der Feldstra├če zur Verf├╝gung und Wanderungen in den umliegenden W├Ąldern boten sich an. In den Wintermonaten waren Rodeln in Bierfreunds Park und Schlittschuhlaufen auf dem Kanal gefragte Besch├Ąftigungen f├╝r Jung und Alt. F├╝r die K├Ârperert├╝chtigung sorgte man in der gut ausgestatteten Turnhalle an der Schulstra├če und neben der Volksschule lagen der alte und der neue Sportplatz. V├Âlkerball, Hand- und Fu├čball, Faustball und Leichtathletik waren die haupts├Ąchlich betriebenen Sportarten. Im zum Kirchspiel geh├Ârenden Linkuhnen fand man bei Ausgrabungen wertvolle historische Sch├Ątze, die belegten, dass es in der Vorzeit schon Besiedlung durch die Wikinger gegeben hatte. In Hohensprindt war ein Landjahrlager eingerichtet, in dem Jugendliche zusammengefasst waren, die den Beruf des Landwirts erlernen wollten.

Gr├╝nbaum war als Ausflugsziel sehr gefragt. In der Gastwirtschaft wurde man vorz├╝glich bewirtet und an den meisten Wochenenden fanden dort Tanzvergn├╝gen statt, damals mit der bekannten Kapelle ÔÇ×B.B“ (Bernhard Bartschat).

In Neusorge war ein Arbeitsdienstlager eingerichtet und die Freizeitstunden der Arbeitsdienstm├Ąnner wurden in Heinrichswalde und auch in Gr├╝nbaum verbracht.

Die meisten Orte des Kirchspiels bestanden aus verstreut liegenden kleinen und mittleren H├Âfen, zu denen Insth├Ąuser geh├Ârten. An gr├Â├čeren G├╝tern w├Ąren zu nennen: Bierfreund (Heinrichswalde), Stadie (Lehmbruch), Stadie (Wilkehlen), Kopp (Rittergut Heideckshof).

F├╝r die Betreuung der W├Ąlder war die Oberf├Ârsterei Schnecken (Forstmeister Mensing) zust├Ąndig, wobei die F├Ârstereien Schnecken (Stolz), Gr├╝nbaum (Ewert, Reussenhof) und Hohensprindt (Ballerstaedt) f├╝r die Durchf├╝hrung der forstwirtschaftlich notwendigen Dinge zu sorgen hatten.

Leider war uns Jugendlichen nur eine kurze Zeitspanne zur Wahrnehmung der vielen Sch├Ânheiten unseres Kirchspiels gegeben, denn in der Vorkriegszeit lag unser Interesse, altersbedingt, mehr auf dem Gebiet des Spielens.
Aber:  Heimat bleibt Heimat und gerade die in jener Zeit aufgenommenen Ereignisse und Bilder haben sich eingepr├Ągt und werden unser Denken stets begleiten. Tragen wir dazu bei, dass das Thema ÔÇ×Vertreibung“, das in letzter Zeit sehr viel an Bedeutung gewonnen hat, der gesamten Menschheit bewusst gemacht wird und das solche Ma├čnahmen, ausgel├Âst und durchgef├╝hrt von unverantwortlich handelnden Politikern, f├╝r alle Zeit ge├Ąchtet werden.
Stolberg, 21. Februar 2010       Manfred Grusdt ÔÇá 2011

Kurt Paschkewitz   erz├Ąhlt zwei Schulgeschichten aus Heinrichswalde

Heirichswalde - die Perle in des Kaisers Krone    K├Ânigsberger Express Nr. 7     Juli2011

ÔÇ×Die Komsomolskaja Prawda ÔÇ× widmet eine ihrer Seiten der Geschichte von Slawsk/Heinrichswalde und geht dabei ganz besonders auf die adlige Jagdtradition in dieser Gegend ein.
Die erste schriftliche Erw├Ąhnung des Ortes, der sp├Ąter Slawsk hei├čen sollte, findet sich in der Chronik des Jahres 1292. Er bestand damals aus ein paar Holzh├╝tten, die sich ihre Bewohner in der von urigen W├Ąldern und S├╝mpfen gepr├Ągten Gegend zwischen dem Kurischen Haff und dem Fluss Memel gebaut hatten. Lange Zeit war hier nichts Besonderes los – abgesehen von der Notwendigkeit, sich mehreren Raubz├╝gen der Altlitauer zu erwehren. Dann kam es 1568 noch zu einem ungew├Âhnlichen Naturereignis, als am n├Ąchtlichen Firmament ├╝ber Ostpreu├čen pl├Âtzlich Polarlichter erschienen.
Der gro├če Kurf├╝rst von Preu├čen, Friedrich Wilhelm, kam im Oktober 1657 auf die Idee, seinem J├Ągermeister Heinrich f├╝r dessen Verdienste ein 800 Hektar gro├čes, dicht bewaldetes St├╝ck Land zwischen Tilsit und Labiau (heute Sowjetsk bzw. Polessk) zu schenken. Der Wald war so reich an Rot-, Schwarz- und Niederwild, dass er mit der Zeit unter preu├čischen Adelsleuten und anderen hochrangigen G├Ąsten, auch aus dem Ausland, zum beliebtesten Jagdrevier avancierte. Man benannte den Wald sp├Ąter nach dessen Besitzer: Heinrichswalde.
Den Reiz der Heinrichswalder Natur lernte auch der gro├če Philosoph Immanuel Kant kennen, als er einmal im Schloss Rautenburg (heute Malinowka) eingeladen wurde, um den Kindern eines hiesigen Freiherrn Privatunterricht zu erteilen. ├ťberlieferungen zufolge soll hier auch der franz├Âsische Kaiser Napoleon Bonaparte auf Elchjagd gegangen sein, nachdem er in der Schlacht bei Friedland seinen historischen Sieg ├╝ber das russisch-preu├čische Heer errungen hatte.
Mitte des 19. Jahrhunderts kam ein anderer Hochadliger, der preu├čische Prinz Friedrich Karl, nach Heinrichswalde. Obwohl der junge Mann im Umgang mit Kimme und Korn v├Âllig unge├╝bt und sich das erste Mal mit Jagdflinte in den Wald wagte, ging sein Deb├╝t als die erfolgreichste Jagd aller Zeiten in die Geschichte von Heinrichswalde ein. Seine erste Troph├Ąe, einen riesigen Auerochsen, schoss Friedrich Karl direkt am ersten Tag aus nur 25 Schritt Entfernung. Zwei Tage sp├Ąter erlegte er einen 358 Kilogramm schweren Elch, dessen Geweih zudem nicht wie ├╝blich etwa ein Dutzend, sondern unglaubliche 22 Sprossen aufwies.
Ein anderer Adliger, Prinz Leopold von Bayern, erlegte bei Heinrichswalde ein halbes Dutzend Elche. Diese herausragenden Jagderfolge machten das Gebiet europaweit bekannt. Die deutschen Prinzen mussten geradezu Schlange stehen, um in dieser gottverlassenen Provinz des Deutschen Reiches der vornehmsten und traditionsreichsten aller Vergn├╝gungen des Adels nachzugehen. Am 16. Oktober 1883 erstattete Prinz Wilhelm (der sp├Ątere Kaiser Wilhelm II.) dem Jagdrevier Heinrichswalde gemeinsam mit dem ├Âsterreichischen Prinzen Ruprecht einen Besuch ab. Er jagte hier nach Lust und Laune, atmete die frische Waldluft in vollen Z├╝gen und wurde dank der unz├Ąhligen Heinrichswalder M├╝cken auch einen ├ťberschuss seines blauen Blutes los. Der letzte Prinz, der in Heinrichswalde unschuldigem Wild nachjagte, war der preu├čische Thronfolger Heinrich, ein Namensvetter des J├Ągermeisters, nach dem der Ort seinerzeit benannt worden war. Man schrieb damals das Jahr 1889.
Was danach in Heinrichswalde passierte, stand voll im Zeichen des Kaiser Wilhelm II. Hier, im Jagdhaus Pait, lie├č er sich die deutschen Offensiv- und Defensivpl├Ąne durch den Kopf gehen, welche dann von dem deutschen Heer 1914, im ersten Jahr des Ersten Weltkrieges umgesetzt wurden. Wilhelm II. mochte Pait sehr und kam im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts mehrere Male hierher.
Im Ersten Weltkrieg fielen die Kosaken des russischen Generals Rennenkampf ├╝ber Heinrichswalde her, konnten es aber nur drei Tage halten und setzten sich dann nach Tilsit ab. Sie kamen nicht einmal dazu, hier eine Jagdprobe zu machen. Wer das aber 21 Jahre sp├Ąter sehr wohl machen und dabei sogar mehrere Wildschweine erlegen konnte, war Reichsmarschall und Luftwaffenchef Hermann G├Âring.
1941 kam der so genannte Held des Polenfeldzuges und sp├Ątere Befehlshaber ├╝ber die Heeresgruppe Mitte w├Ąhrend des Krieges gegen die Sowjetunion, Generalfeldmarschall Hans G├╝nther von Kluge, zur Elchjagd nach Heinrichswalde.
Heute erinnert kaum etwas in Slawsk an die Jagdhistorie von Heinrichswalde. Es ist m├╝├čig, hier nach Erinnerungstafeln oder B├╝sten f├╝r Immanuel Kant geschweige denn f├╝r Napoleon oder Wilhelm II. zu suchen. Die Zahl der Elche im hiesigen Wald ist, wie man sagt, auch zur├╝ckgegangen.
Entnommen dem K├Ânigsberger Express Nr. 7 Juli 2011

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